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D a s e Z i n e d e r T e c h n i s c h e n A n a l y s e |
10.01.2000
Technische Analyse, Chartanalyse, Charttechnik von Aktien und Indices
In dieser Ausgabe werden folgende Werte untersucht:
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Bund-Future |
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Im Bund-Future-Chart ist m.E. auffällig, daß die gleitende 200-Tage-Durchschnittslinie (GLD) eine stärkere Rolle spielt. Die GLD fungiert häufig als Unterstützung, an der sich die Future-Kurve orientiert; wird die GLD dann einmal durchbrochen, ist dies ein deutliches Kauf- bzw. Verkaufsignal. Auch die Trendwenden der GLD sind gute Signalgeber. Innerhalb der sichtbaren knapp 10 Jahre wechselt die GLD nur 4 mal die Richtung und deutete damit immer auf eine mindestens mittelfristige Trendwende des Futures.
Die (blaue) Aufwärtstrendlinie wird erst nach 4.5 Jahren Mitte letzten Jahres nach unten durchbrochen. Dabei dreht auch die 200er GLD. Strong Sell.
Das Mindestkursziel des Verkaufsignals lag bei ca. 107.7, ein Bereich, in dem sich Anfang 1998 ein mittlerer Widerstand ausbildete. Dieser Bereich hält die Kurve im aktuellen Abwärtstrend jedoch nicht lange auf.
Mittlerweile ist der Bund-Future mit Kursen unter 103.8 in die massive Unterstützungszone eingetaucht, die bis hinunter auf 101.3 reicht. Spätestens auf diesem Niveau sollte der Abwärtstrend gestoppt werden. Mindestens eine mehrmonatige Aufwärtskorrektur ist dann zu erwarten.
Um den Fortschritt der Abwärtsbewegung einschätzen zu können, ziehen wir noch einen Trendbestätigungsindikator (TBI) zu Rate :
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Rendite der 30jährigen T-Bonds |
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Seit 1981, also fast 2 Jahrzehnte, befinden sich die amerikanischen Renditen im primären Abwärtstrend. 1986, ganz links im Chart, wurde im Bereich 7.25% sehr lange an einer Umkehr gearbeitet. Dieser Bereich sollte danach für viele Jahre vorerst das Tief darstellen. Erst gut 6 Jahre später wird diese Unterstützung nach unten durchbrochen.
Zum Jahreswechsel 1997-98 brechen die Kurse nach unten aus und liefern damit ein neues Verkaufsignal. Über Monate wird die durchbrochene Unterstützung danach im 1.Halbjahr 1998 von unten getestet - kleinere Pull Backs.
Als die Kurse Ende 1998 erwartungsgemäß nach unten wegbrechen, schien alles paletti. Doch leider kommen die Bonds-Renditen nach einem 1.5jährigen Zwischenspiel massiv zurück. Seit dem Low 4.71% Ende 1998 steigt die Rendite fast 200 Stellen auf aktuell 6.50-60%. Bis zu Kursen von etwa 6.20% war dies nicht weiter kritisch. Selbst diese 1jährige Aufwärtsbewegung hätte IMO noch im Rahmen einer großen Pull-Back-Situation gelegen, wenn man das zeitliche Ausmaß des vorhergehenden triangles berücksichtigt. Doch scheinbar ist hier mehr im Gange.
Obwohl die Konjunkturdaten in den letzten Wochen und Monaten nicht auf verstärkte Inflation deuten, steigen die Bonds-Renditen mehr und mehr an. Auf dem aktuellen Niveau wurde die sehr langfristige obere (fett rote) Abwärtstrendlinie bereits leicht überschritten. Es wird bzw. ist jetzt sehr eng. Wenn die Rendite nicht in Kürze umkehrt, ist das nächste Ziel der alte und massive Widerstand bei 7.25%.
Auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, daß die Renditen dort mindestens kurzfristig zurückgeworfen werden, für den Aktienmarkt könnte diese Entwicklung fatal sein. Denn ein nachhaltiger Break der (fett roten) langfristigen Abwärtstrendlinie könnte das Ende des fast 20 Jahre andauernden Zins-Abwärtstrends einläuten.
Ein weiterer Anstieg über 7% ist auch insofern sehr kritisch, da die US-Aktienmärkte den Zinstrend bislang völlig ignorieren. Für die amerikanische Börse wäre das zwar nicht ungewöhnlich. Während die Bonds-Renditen zum Beispiel 1994 oder 1996 temporär deutlich anzogen, ist fast keine negative Reaktion in den amerikanischen Aktienindices sichtbar.
Trotzdem neigten die Indices in diesen Phasen zu Konsolidierungen, liefen nur noch seitwärts oder korrigierten wenigstens leicht (1990). Vergleichen Sie dazu im folgenden Schaubild die gelbe und rote Kurve mit der (schwarzen) Long-Bonds-Rendite. Es handelt sich um die zum leichteren Vergleich umgekehrten Kursverläufe von Dow Jones Industrial und NASDAQ :
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InfoSpace |
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Die Performance beider Aktien ist hervorragend und charttechnisch sind beide Werte solange absolut okay, bis ein stärkerer Rückgang wie im Mai 1999 zur Gewinnsicherung mahnt. Das ist das Hauptproblem dieser Werte - auf auffangende Unterstützungszonen kann man sich während Rückgängen nicht verlassen, da in den fahnenstangenartigen Upswings keine Grundlagen für solche ausgebildet werden. Bei InfoSpace zum Beispiel liegt die nächsttiefere bedeutende Unterstützung nun bei 32, das heißt 65% unter dem Freitags-Schluß Euro 92,50.
In der Praxis läuft das darauf hinaus, permanent ein (weites) Stopp-Loss-Limit nachzuziehen. Mit gut 20% Toleranz vom jeweiligen Höchstkurs kann ich dabei leben. Das ist der Preis für eine solche Dynamik - seit Ende Oktober steigt InfoSpace in nur 2 Monaten ca. 350% !
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Exodus |
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Im September-Oktober letzten Jahres läuft Exodus aus dem groben Trendkanal heraus, bleibt aber eine Ebene tiefer im primären Trend. Mehr als eine Störung des Uptrends ist das bislang nicht.
Die Aktie übertreibt nur zeitweilig geringfügig, was auch die sehr stetig nach oben gezogene 200 Tage-Durchschnittslinie erkennen läßt. Die charttechnische Bewertung von Exodus lautet weiterhin ein klares "Gut".
Wie bei InfoSpace und der gleich folgenden QualComm gilt das Sprichwort Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. Mit einem regelmäßig nachgezogenen Stopp läßt sich das gut realisieren.
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QualComm |
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Während der Rußland-/Asienkrise im 3.Quartal 1998 wurde QualComm nur kurzfristig für 2 Wochen unter die waagerechte (blaue) Unterstützung gedrückt, die Kurse kehren schnell in die Trading Range zurück.
Im März 1999 wird die Range erst vorsichtig und dann mit sehr starken Aufschlägen nach oben verlassen. Die Aktie bricht mit Runaway Gaps fulminant aus (gelb). Kaufsignal!
Charttechnisch ist trotz der enormen Steigerung noch nichts an der Aktie auszusetzen. Der Aufwärtstrend ist völlig intakt, auch wenn sich der neue Trend nicht gut kanalisieren läßt. Diese Bewertung kann mindestens solange aufrecht erhalten werden, bis die Aktie überhaupt einmal anfängt zu korrigieren. Denn Abwärtstrends hat es innerhalb der letzten 12 Monate abgesehen von Mini-Korrekturen nicht gegeben.
Von Zeit zu Zeit übertreibt QualComm im kurzfristigen Bereich, wenn sie sich zu sehr von der sehr stetig aufwärts strebenden 200-Tage Durchschnittslinie (GLD) entfernt (siehe dunkelrote Pfeile). Im vergangenen Dezember erreichte sie dabei Rekordwerte. Eine ausgeprägtere Konsolidierung täte gut und könnte ohne weiteres bis auf Euro 100 führen, ohne den primären Aufwärtstrend zu gefährden.
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Gruß und Erfolg, Lutz Düvel
10.01.2000
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