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Deutsche Bibliothek - ISSN 1616-1831
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10.01.2000

Technische Analyse, Chartanalyse, Charttechnik von Aktien und Indices

In dieser Ausgabe werden folgende Werte untersucht:

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Bund-Future

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www.taprofessional.de, Mo, 10.01.2000, ld.
Der folgende Candle-Stick-Chart auf Monatsbasis zeigt den gesamten Trend des in 1990 gestarteten Abwärtszyklusses. Die Umlaufrendite der deutschen Festverzinslichen erreichte auf dem Top 1990 im Zuge des Wiedervereinigungsbooms Werte von 9.2%. Die Inflationsraten waren damals jedoch ziemlich hoch, sodaß der Realzins nicht sehr über den heutigen Raten lag.

Im Bund-Future-Chart ist m.E. auffällig, daß die gleitende 200-Tage-Durchschnittslinie (GLD) eine stärkere Rolle spielt. Die GLD fungiert häufig als Unterstützung, an der sich die Future-Kurve orientiert; wird die GLD dann einmal durchbrochen, ist dies ein deutliches Kauf- bzw. Verkaufsignal. Auch die Trendwenden der GLD sind gute Signalgeber. Innerhalb der sichtbaren knapp 10 Jahre wechselt die GLD nur 4 mal die Richtung und deutete damit immer auf eine mindestens mittelfristige Trendwende des Futures.

Chart: Bund-Future
Das Top zum Jahreswechsel 1993-94 bildet den Ursprung für eine sehr starke Widerstandslinie bei etwa 101.30. 1996 und im ganzen 1.Halbjahr 1997 werden die Future-Notierungen auf diesem Niveau zurückgehalten. Gleichzeitig streben die Kurse unterstützt von einer (blauen) Aufwärtstrendlinie immer weiter nach oben. Ein großes, sehr positives ascending triangle, das spätestens Anfang 1998 vollendet wird.

Die (blaue) Aufwärtstrendlinie wird erst nach 4.5 Jahren Mitte letzten Jahres nach unten durchbrochen. Dabei dreht auch die 200er GLD. Strong Sell.

Das Mindestkursziel des Verkaufsignals lag bei ca. 107.7, ein Bereich, in dem sich Anfang 1998 ein mittlerer Widerstand ausbildete. Dieser Bereich hält die Kurve im aktuellen Abwärtstrend jedoch nicht lange auf.
Mittlerweile ist der Bund-Future mit Kursen unter 103.8 in die massive Unterstützungszone eingetaucht, die bis hinunter auf 101.3 reicht. Spätestens auf diesem Niveau sollte der Abwärtstrend gestoppt werden. Mindestens eine mehrmonatige Aufwärtskorrektur ist dann zu erwarten.

Um den Fortschritt der Abwärtsbewegung einschätzen zu können, ziehen wir noch einen Trendbestätigungsindikator (TBI) zu Rate :

Chart: Bund-Future TBI
Auch der TBI deutet mit extremen Tiefstwerten wie Ende 1994 auf eine sehr nahe Trendwende hin. Bezogen auf den vorhergehenden Aufwärtstrend 1990-94 / 80.5-101.3 lag die 1994er Korrektur im Rahmen des Fibinacci-Retracements -61.8%. Real wurde der Uptrend um 64.6% korrigiert.
Das -61.8%-Retracement bezogen auf den nächsten Teiltrend 1995-1999 / 87.87-117.73 liegt knapp unter 100 bei 99.3. Dies, die massive Unterstützung bei 100 und die psychologische Bedeutung der vollen Marke läßt eine Trendwende dort sehr wahrscheinlich werden.

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Rendite der 30jährigen T-Bonds

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www.taprofessional.de, Mo, 10.01.2000, ld.
Die Renditen der 30jährigen Treasury Bonds haben sich innerhalb der letzten 1.5 Jahre auf ein charttechnisch gefährliches Niveau gehangelt. Die Bonds-Renditen lagen 1981 auf 2stelligem Niveau bei 15.2%. Heutzutage kaum mehr vorstellbar hohe Kapitalmarktzinsen. Entsprechend stark war aber auch die Inflation.

Seit 1981, also fast 2 Jahrzehnte, befinden sich die amerikanischen Renditen im primären Abwärtstrend. 1986, ganz links im Chart, wurde im Bereich 7.25% sehr lange an einer Umkehr gearbeitet. Dieser Bereich sollte danach für viele Jahre vorerst das Tief darstellen. Erst gut 6 Jahre später wird diese Unterstützung nach unten durchbrochen.

Chart: Rendite der 30jährigen T-Bonds
Die Struktur, die sich durch die obere (fett rote) Abwärtstrendlinie und die neue, leicht aufwärts strebende Unterstützungslinie ab 1993 auszeichnet, erachte ich als ausgesprochen wichtig für den langfristigen Long-Bonds-Chart. Es wirkt wie ein riesiges descending triangle - da die (dünne blaue) Aufwärtstrendlinie jedoch nicht ganz waagerecht verläuft, gibt es eine Tendenz zum symmetrical triangle.

Zum Jahreswechsel 1997-98 brechen die Kurse nach unten aus und liefern damit ein neues Verkaufsignal. Über Monate wird die durchbrochene Unterstützung danach im 1.Halbjahr 1998 von unten getestet - kleinere Pull Backs.

Als die Kurse Ende 1998 erwartungsgemäß nach unten wegbrechen, schien alles paletti. Doch leider kommen die Bonds-Renditen nach einem 1.5jährigen Zwischenspiel massiv zurück. Seit dem Low 4.71% Ende 1998 steigt die Rendite fast 200 Stellen auf aktuell 6.50-60%. Bis zu Kursen von etwa 6.20% war dies nicht weiter kritisch. Selbst diese 1jährige Aufwärtsbewegung hätte IMO noch im Rahmen einer großen Pull-Back-Situation gelegen, wenn man das zeitliche Ausmaß des vorhergehenden triangles berücksichtigt. Doch scheinbar ist hier mehr im Gange.

Obwohl die Konjunkturdaten in den letzten Wochen und Monaten nicht auf verstärkte Inflation deuten, steigen die Bonds-Renditen mehr und mehr an. Auf dem aktuellen Niveau wurde die sehr langfristige obere (fett rote) Abwärtstrendlinie bereits leicht überschritten. Es wird bzw. ist jetzt sehr eng. Wenn die Rendite nicht in Kürze umkehrt, ist das nächste Ziel der alte und massive Widerstand bei 7.25%.
Auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, daß die Renditen dort mindestens kurzfristig zurückgeworfen werden, für den Aktienmarkt könnte diese Entwicklung fatal sein. Denn ein nachhaltiger Break der (fett roten) langfristigen Abwärtstrendlinie könnte das Ende des fast 20 Jahre andauernden Zins-Abwärtstrends einläuten.

Ein weiterer Anstieg über 7% ist auch insofern sehr kritisch, da die US-Aktienmärkte den Zinstrend bislang völlig ignorieren. Für die amerikanische Börse wäre das zwar nicht ungewöhnlich. Während die Bonds-Renditen zum Beispiel 1994 oder 1996 temporär deutlich anzogen, ist fast keine negative Reaktion in den amerikanischen Aktienindices sichtbar.

Trotzdem neigten die Indices in diesen Phasen zu Konsolidierungen, liefen nur noch seitwärts oder korrigierten wenigstens leicht (1990). Vergleichen Sie dazu im folgenden Schaubild die gelbe und rote Kurve mit der (schwarzen) Long-Bonds-Rendite. Es handelt sich um die zum leichteren Vergleich umgekehrten Kursverläufe von Dow Jones Industrial und NASDAQ :

Chart: Vergleich: Bonds NASDAQ Dow Jones - umgekehrt
Besonders der NASDAQ-Index übertreibt im Moment angesichts der immer weiter ausgeprägten Schere enorm. Vorsicht ist angesagt. Die Sicherheit, die die Marktteilnehmer im Moment an den Tag legen, ist m.E. trügerisch.

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InfoSpace

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Die Chartkurve von InfoSpace trägt Züge der Mehrheit der Internet-Aktien, die bislang an dieser Stelle besprochen wurden. Ganz links sehen wir noch das Auslaufen der NASDAQ-Jahresendrally 1998-99, danach geht die Aktie zum Sommer in eine mehrmonatige Konsolidierung über. Möglicherweise wurden dabei einige Chartisten von der (roten) Abwärtstrendlinie verunsichert. Doch für ein negativ stimmendes descending triangle war die Struktur IMO zu flach.
Spätestens seit Überschreitung des Top-Niveaus Euro 32 vom Mai 1999 war diese Variante hinfällig. InfoSpace liefert das neue Kaufsignal und zieht enorm an.

Chart: InfoSpace
Der gesamte Verlauf ähnelt stark dem von CMGI, die in der Online-Ausgabe Nr.2 am 23.11.1999 noch rechtzeitig vor dem Break behandelt wurde. Tatsächlich stimmen die Charts fast auf das i-Tüpfelchen überein wenn man sie in einem Relativ-Vergleich übereinander legt. Nur in den letzten 2 Monaten steigt InfoSpace leicht stärker als CMGI.

Die Performance beider Aktien ist hervorragend und charttechnisch sind beide Werte solange absolut okay, bis ein stärkerer Rückgang wie im Mai 1999 zur Gewinnsicherung mahnt. Das ist das Hauptproblem dieser Werte - auf auffangende Unterstützungszonen kann man sich während Rückgängen nicht verlassen, da in den fahnenstangenartigen Upswings keine Grundlagen für solche ausgebildet werden. Bei InfoSpace zum Beispiel liegt die nächsttiefere bedeutende Unterstützung nun bei 32, das heißt 65% unter dem Freitags-Schluß Euro 92,50.

In der Praxis läuft das darauf hinaus, permanent ein (weites) Stopp-Loss-Limit nachzuziehen. Mit gut 20% Toleranz vom jeweiligen Höchstkurs kann ich dabei leben. Das ist der Preis für eine solche Dynamik - seit Ende Oktober steigt InfoSpace in nur 2 Monaten ca. 350% !

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Exodus

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Fast 4700% seit September 1998, also eine Ver47fachung des Kurses in 1.3 Jahren - ganz klar, Exodus gehört auch zu den Hammerwerten, die das ganz große Geld versprechen.
Wie bei vielen anderen Internet-Aktien ist es dabei ganz überraschend, daß sich der Trend dennoch relativ zivil benimmt.

Chart: Exodus
Der Exodus-Chart läßt sich grob gut kanalisieren, innerhalb des Aufwärtstrends fällt seit mehr als einem Jahr keine Abwärts-Korrektur hinsichtlich Länge oder Stärke aus dem Rahmen. Unterstützungen finden sich im Moment nur weit unter dem aktuellen Stand - bei ca. Euro 40 (und stärker bei 30 und 22).

Im September-Oktober letzten Jahres läuft Exodus aus dem groben Trendkanal heraus, bleibt aber eine Ebene tiefer im primären Trend. Mehr als eine Störung des Uptrends ist das bislang nicht.
Die Aktie übertreibt nur zeitweilig geringfügig, was auch die sehr stetig nach oben gezogene 200 Tage-Durchschnittslinie erkennen läßt. Die charttechnische Bewertung von Exodus lautet weiterhin ein klares "Gut".

Wie bei InfoSpace und der gleich folgenden QualComm gilt das Sprichwort Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. Mit einem regelmäßig nachgezogenen Stopp läßt sich das gut realisieren.

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QualComm

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QualComm ist ein sehr gutes Beispiel für eine Aktie, die nach einer gewissen Zeit ihren Trend-Charakter vollständig verändert. Im Langfrist-Chart zeigte QualComm 1997 und 1998 einen relativ unspektakulären Seitwärtstrend. Die Unterstützung lag dabei im Bereich Euro 5.50, oben wurden die temporären Aufwärts-Swings oft bei Euro 7.50 gestoppt.

Während der Rußland-/Asienkrise im 3.Quartal 1998 wurde QualComm nur kurzfristig für 2 Wochen unter die waagerechte (blaue) Unterstützung gedrückt, die Kurse kehren schnell in die Trading Range zurück.

Im März 1999 wird die Range erst vorsichtig und dann mit sehr starken Aufschlägen nach oben verlassen. Die Aktie bricht mit Runaway Gaps fulminant aus (gelb). Kaufsignal!

Chart: QualComm
Wirklich atemberaubend ist die weitere QualComm-Entwicklung nach Verlassen der Trading Range : seit März steigen die Notierungen der Aktie bis Ende des Jahres um das 24fache. 2400% in einem Jahr! Mit dem langweiligen Gezappel in den Vorjahren hat dieser Trend nichts mehr gemein.

Charttechnisch ist trotz der enormen Steigerung noch nichts an der Aktie auszusetzen. Der Aufwärtstrend ist völlig intakt, auch wenn sich der neue Trend nicht gut kanalisieren läßt. Diese Bewertung kann mindestens solange aufrecht erhalten werden, bis die Aktie überhaupt einmal anfängt zu korrigieren. Denn Abwärtstrends hat es innerhalb der letzten 12 Monate abgesehen von Mini-Korrekturen nicht gegeben.

Von Zeit zu Zeit übertreibt QualComm im kurzfristigen Bereich, wenn sie sich zu sehr von der sehr stetig aufwärts strebenden 200-Tage Durchschnittslinie (GLD) entfernt (siehe dunkelrote Pfeile). Im vergangenen Dezember erreichte sie dabei Rekordwerte. Eine ausgeprägtere Konsolidierung täte gut und könnte ohne weiteres bis auf Euro 100 führen, ohne den primären Aufwärtstrend zu gefährden.

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Gruß und Erfolg, Lutz Düvel
10.01.2000
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