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Deutsche Bibliothek - ISSN 1616-1831
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15.11.1999

Technische Analyse, Chartanalyse, Charttechnik von Aktien und Indices

In dieser Ausgabe werden folgende Werte untersucht:

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AOL

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www.taprofessional.de, Mo, 15.11.99, ld.
Sehen wir uns zuerst einen langfristigen Bar-Chart auf Wochenbasis bei AOL an. Jeder Balken dieser Grafik stellt die Kursveränderung vom Höchst- bis zum Tiefst-Kurs einer Woche dar. Der kleine Strich rechts an den Balken gibt Auskunft über den jeweiligen Wochen-Schlußkurs.

Chart: AOL  (Klick zentriert)
Die Aktie der America Online Inc. neigt sehr schön zur Kanalbildung. Besonders ab Ende 1996 bis weit in das Jahr 1998 baute AOL einen perfekten Uptrend-Kanal, dessen Grenzen nur selten getestet wurden.
Obwohl sich die Aktie während der Rußland/Asien-Krise im 3.Quartal 1998 kurzfristig fast halbiert hat, war dies relativ zum Gesamtbild kein kritischer Einbruch. Die (blaue) Unterstützungslinie wurde nur kurz und schwach unterschritten. Als die gleitende 200 Tage Durchschnittslinie (GLD) angetickt wurde, ging es wieder bergauf.

Als ob die Aktie jetzt etwas nachzuholen hatte, verstärkte sie die Steigungsrate erheblich. Im Dezember wird sie sich dadurch untreu und verläßt die (rote) Widerstandslinie des Kanals mit einem typischen Breakaway-Gap. Auch der neue Upswing läßt sich recht gut kanalisieren. Dennoch geriet AOL mit der weit stärkeren Gangart schnell in eine überkaufte Lage.

Dies wird besonders deutlich bei der Verwendung eines Disparitäts-Indikators. Also einer grafischen Darstellung der Differenz des Aktienkurses zur gleitenden Durchschnittslinie :

Chart  (Klick zentriert)
Während sich AOL 1997 und 1998 maximal ca. 80% von der 200er GLD entfernte, übertreibt sie bis April diesen Jahres schwer mit über 200% Differenz. Solche Übertreibungsphasen halten nur selten lange an.
Vom Top Euro 158 im April verliert AOL danach in nur 4 Monaten 50%.

Für Anleger, die vorher nahe dem All-Time-High eingestiegen sind, mag das schmerzhaft und teuer geworden sein. Für die technische Situation der Aktie war es nur eine notwendige und positive Bereinigung und es wäre von Vorteil, wenn AOL zur gemächlichen Gangart zurückkehren würde, die der fortgeführte primäre Trendkanal (schwach blau/rot) vorgibt.

Grundsätzlich ist AOL charttechnisch immer noch eine Spitzenaktie. Der primäre Aufwärtstrend ist intakt. Beachten Sie auch die relativ stetige Aufwärtsbewegung der 200er GLD. Die (blaue) Aufwärtstrendlinie wurde nur einmal in gut 3 Jahren kurzfristig unterschritten. Während der letzten Schwächephase bis August diesen Jahres wurde diese Linie nicht mal angetastet. Zweimal positiv.
Die Performance von AOL ist mit einer Toleranz von fast 7000% im Darstellungszeitraum des obigen Langfrist-Charts absolute Spitze.

Kurzfristig gerät AOL aktuell an einen Widerstand. Seit dem letzten temporären Tief am 05.08.1999 legte der Kurs in nur 3 Monaten fast 100% zu und schlägt damit schon wieder an die obere Kanalbegrenzung. Auch das All-Time-High bei Euro 158 ist mit dem Freitags-Schluß von 140 fast erreicht.
Eine kurzfristige Konsolidierung täte gut.
Immer langsam mit den jungen Pferden!

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Yahoo!

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www.taprofessional.de, Mo, 15.11.99, ld.
Das Kursbild des Internetlieblings Yahoo! ist ganz ähnlich der AOL-Aktie. Die Kurve läßt sich seit Ende 1996 gut kanalisieren, nach der Rußland/Asienkrise 1998 werden die Anleger außerordentlich gierig und saugen die Internet-Aktien geradezu auf. Yahoo! verschärft dabei wie AOL den Uptrend und wagt sich über die (rote) Widerstandslinie des Kanals :

Chart: Yahoo!  (Klick zentriert)
Gegenüber AOL fällt die Übertreibung jedoch lange nicht so deutlich aus. Der Trendkanal von Yahoo! ist viel breiter, sodaß der steilere Anstieg zum Jahreswechsel 1998-99 noch fast im Rahmen bleibt. Im ersten Quartal diesen Jahres bleibt Yahoo! nahezu ständig an der (roten) Widerstandslinie haften.

Trotzdem war eine Korrektur nach dieser Rally auch bei Yahoo! überfällig. Die maximale Differenz zur gleitenden 200 Tage Durchschnittslinie (GLD) erreichte im Dezember extreme 220%. Das Normalniveau der Spitzen lag in den Vorjahren bei ca. +130%.

Obwohl der Chart insgesamt positiver wirkt als der von AOL und auch die Konsolidierung im ersten Halbjahr weit weniger heftig ausschaut, waren die Verluste mit -50.5% vom Top bis zum letzten temporären Tief am 05.08.1999 gleich schwer. (BTW - beachten Sie, daß das Datum exakt mit dem letzten Tief von AOL übereinstimmt.)

Langfristig ist der Trend von Yahoo! absolut intakt. Die mittlerweile 3 Jahre messende (blaue) Aufwärtstrendlinie wurde nicht einmal unterschritten. Positiv. Im Rahmen des Trendkanals ist Yahoo! aktuell keineswegs überkauft.
Die Performance ist mit einer Toleranz von 10400% im Darstellungszeitraum noch besser als die schon sehr gute von AOL (6900%) !

Vor weiteren Gewinnen muß sich Yahoo! jedoch erst aus einer Trading-Range befreien. Wechseln wir dazu in eine höhere Auflösung eines einjährigen Line-Charts :

Chart: Yahoo!  (Klick zentriert)
Bei ca. 110 Euro läßt sich eine Unterstützungszone ausmachen, oben wurde die Aktie bei etwa 170 Euro mehrfach zurückgeworfen. Eine bislang fast 11monatige Range von 110 bis 170 - das ist eine Spanne von sage und schreibe 50%. Für spekulativer eingestellte Naturen eine Einladung zum Trading.
Doch Yahoo! könnte die "Seitwärtsbewegung" schon beendet haben. Im November zieht sie an und erreicht bis Freitag ca. 190 Euro.
Dieses frühe Kaufsignal wird sicher wenn auch das All-Time-High von Euro 210 gebreakt werden kann.

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EM.TV

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Ein Ausbund an Kraft - keine Frage, die Aktie des Medienunternehmens EM.TV & Merchandising ist einer der Lieblinge am Neuen Markt. Charttechnisch ist sie weniger gut einschätzbar. Der Langfrist-Chart wird durch die anfänglich wirklich enorme Entwicklung in einer halblogarithmischen Darstellung immer stärker gepreßt.

Die Kurve neigt überhaupt nicht zur Formationsbildung, auch lassen sich keine Trendkanäle ausmachen.
Auffällig nur die beiden Seitwärtskonsolidierungen im Sommer 1998 und zu Beginn diesen Jahres. Diese Niveaus bei Euro 10 und etwa 35 gelten seitdem als Unterstützungszonen :

Chart: EM.TV  (Klick zentriert)
Die Wertsteigerung von 16.500% seit Emission ist sagenhaft. Doch dies gilt natürlich nur für den, der von Anfang an dabei war. Die stärksten Gewinne fielen bis etwa Mai 1998 an. Auch danach legte EM.TV noch deutlich zu, doch die Steigungsrate wurde immer schwächer.

Sehen Sie hierzu einen Momentum-Indikator, der die Stärke des Trends anzeigt :

Chart: EM.TV Momentum  (Klick zentriert)
Die Power der ersten Monate nach Börsengang ist längst Geschichte. Trotzdem ist EM.TV kein schwacher Wert. Allein in den letzten 12 Monaten hat sie sich um ca. 700% verbessert. Nur war es z.B. unrealistisch, daß bei der Kampagne für die jüngste Kapitalerhöhung mit der vergangenen Performance und diesbezüglich einer "zweiten Chance" geworben wurde. Solche Kursgewinne sind nicht mehr drin.

Die Anleger haben die neuen Aktien trotzdem gut aufgenommen. Die fast 11 Mll. Aktien waren 2.5fach überzeichnet. In einer Zeit, in der andere AG's den Börsengang verschieben mußten, ein gutes Ergebnis für EM.TV-Chef Thomas Haffa, der damit 1 Mrd.DM in die Kasse bekam. Die gleichzeitig geplante Wandelanleihe mit ähnlich hohem Volumen konnte jedoch nicht plaziert werden.

Die Anleger störte dies nicht - nachdem die EM.TV seit Ende September an der 200er GLD kleben blieb, setzt sie letzte Woche zum Sprung an :

Chart: EM.TV  (Klick zentriert)
Mit der Entfernung von der Durchschnittslinie hat sich EM.TV charttechnisch wieder in ein neutral bis leicht positives Bild gerettet. Doch die Grenzen zwischen "Gut und Böse" liegen bei EM.TV nahe beieinander.
Wird die Unterstützung bei 35-38 unterschritten, wird m.E. ein mittelfristiges Verkaufsignal ausgelöst. Andererseits wird ein Break des All-Time-High's bei Euro 63.32 sicherlich neue Käufe auslösen.

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Gruß und Erfolg, Lutz Düvel
15.11.1999
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