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Deutsche Bibliothek - ISSN 1616-1831
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12.12.1999

Technische Analyse, Chartanalyse, Charttechnik von Aktien und Indices

In dieser Ausgabe werden folgende Werte untersucht:

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Deutsche Telekom

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www.taprofessional.de, Mo, 13.12.1999, ld.
Als damals zum Börsengang der Deutschen Telekom-Aktie die eher altbackenen Spots mit Manfred Krug über den Bildschirm liefen, wer hätte da gedacht, daß sich die Aktie zu einem recht guten Investment entwickelt. Naja, viele Alternativen gab es in Deutschlands Telekommunikationssektor nicht und selbst heute ist die Telekom gerade im für den Internet-Zugang wichtigen Ortsnetz mit über 95% Marktanteil (leider) immer noch Monopolist.

Links unten im Charts sind noch die zaghaften Gehversuche in den Monate nach der ersten Notierung zu sehen. Zu dieser Zeit lief die Aktie schlechter als der DAX, doch danach mauserte sie sich vom Under- zum Outperformer. Seit Ende 1997, innerhalb von 2 Jahren, legte die Telekom-Aktie knapp 300% zu. Nicht übel für einen so großen Wert.

Ausgehend von der Bodenbildung zum Jahreswechsel 1997-98 läßt sich nun eine erste langfristige Aufwärtstrendlinie durch die Tiefpunkte des jeweils 3.Quartals von 1998 und 99 einzeichnen. So lange diese (blaue) Aufwärtstrendlinie nicht unterschritten wird, ist die Bewertung grundsätzlich positiv.

Chart: Deutsche Telekom  (Klick zentriert)
Mit Ausklingen der letzten Jahresend- und Januarrally ging die Telekom-Aktie in eine Seitwärtskonsolidierung über mit einem starken Widerstand bei ca. Euro 43 bis 44. Schon in der allgemeinen Börsenschwäche im vergangenen Oktober zeigte sie relative Stärke mit stabilen Notierungen, die sich immer näher an die Widerstandslinie 44 arbeiteten. Prompt lieferte sie ab Start November das Kaufsignal mit einem Break und Thrustphase. Positiv.

Im obigen Chart wurde durch eine Parallelverschiebung der (blauen) Aufwärtstrendlinie ein Trendkanal konstruiert. Die (schwach rote) obere Widerstandslinie ist aber noch nicht ideal und nur ein Versuch. Wir werden sehen, ob sich dieser Trendkanal aufrecht erhalten läßt. In diesem Fall müßte die Telekom-Aktie im Bereich 60 mindestens konsolidieren.

Der Disparitäts-Indikator deutet mit aktuellen Werten von über 40% ebenfalls auf einen nahen Höhepunkt dieses Upswings hin :

Chart: Deutsche Telekom Disparitäts-Indikator  (Klick zentriert)
Vergleichen Sie die Extremwerte des Indikators mit dem Candle-Stick-Chart.
Die Telekom kann in diesem Teilswing noch weiter steigen, im historischen Vergleich gerät sie nun aber an Grenzen.

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Go2Net

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www.taprofessional.de, Mo, 13.12.1999, ld.
Vom Tief im September 1998 explodierte die Aktie der Go2Net Inc. nahezu mit einem Zugewinn von über 3100% in nur einem halben Jahr. Es handelt sich offensichtlich um eine extreme Internet-Aktie.
Dennoch gleicht sich der Kursverlauf mit dem von den mittlerweile sehr großen Werten wie z.B. Amazon.com, Yahoo! oder AOL. Alle starteten ab September/Oktober 1998 durch und begannen ab April diesen Jahres zu "atmen" :

Chart: Go2Net  (Klick zentriert)
Go2Net verändert ihren Charakter in der Konsolidierung seit April nachhaltig und läuft seitwärts in einer Trading Range, die unten bei Euro 50 begrenzt. Der leichtere Widerstand bei 65 konnte im November überschritten wird. Die langfristige gleitende 200-Tage Durchschnittslinie (GLD) wurde nur kurzfristig ganz leicht getestet, auch kam es nicht mehr zum Schnitt durch die kürzere 38er GLD (gelb markiert). Go2Net ist im Moment neutral bis positiv.

Wie wir an anderen Aktien dieses Sektors in den letzten Wochen gesehen haben (beispielsweise Yahoo! und Inktomi), ist mit kräftigen Aufschlägen zu rechnen, sobald der Widerstand bei ca. 90 Euro überschritten wird. Auch die folgende Analyse von Lycos paßt in diesem Zusammenhang.

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Lycos

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www.taprofessional.de, Mo, 13.12.1999, ld.
Wie nicht anders zu erwarten, ähnelt auch die Aktie von Lycos im groben Trend den anderen Internet-Werten, von denen einige bereits an dieser Stelle behandelt wurden. Lycos strebt langfristig nach oben, die Performance ist mit 3457% im unten sichtbaren Bereich enorm. Die Aktienkurve läßt sich bei Lycos nur ungenau kanalisieren, aber es geht :

Chart: Lycos  (Klick zentriert)
Genau wie bei Go2Net und bekanntlich anderen Aktien, die zum Internet-Sektor gezählt werden, sehen wir ab Oktober 1998 eine starke Aufwärtsbewegung, die bis an die obere Trendkanalbegrenzung und auch knapp darüber hinaus reicht. Danach wieder "Atmung" in Form einer Seitwärtskonsolidierung, die wir uns bei Lycos näher ansehen :
Chart: Lycos  (Klick zentriert)
Mit Beginn des Jahres gleitet Lycos in eine Trading Range, die auf der Südseite bei exakt 38 Euro begrenzt ist, im oberen Bereich zeigt sich auf dem Niveau 50 und danach bei 60 Widerstand (das High Januar). Wieder seit 05.08.1999, dem "Internet-Aktien-Stichtag", streben die Kurse aufwärts. Die Range ist damit eigentlich schon beendet. Dennoch wirkt der Widerstand bei 60 im Oktober und November noch einige Wochen nach. Anfang Dezember bricht Lycos aus. Kaufsignal.

Rein charttechnisch befindet sich Lycos mit Kursen über 80 in neutralem Gebiet und kann durchaus viel weiter steigen. Die nächste Begrenzung, die durch den langfristigen Trendkanal bestimmt wird, liegt weit über 100 Euro (siehe erste Grafik).

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Cisco Systems

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www.taprofessional.de, Mo, 13.12.1999, ld.
Cisco Systems Inc. ist m.E. eine der wichtigsten 10 Internet-Aktien weltweit. Sie wird sich auch sicher in sehr vielen Depots von Internet-Aktien-Freunden befinden - auch wenn die Performance nicht so extrem ist wie z.B. bei den eben behandelten Go2Net, Lycos oder auch AOL, Yahoo! etc.
Im dargestellten Zeitraum des Bar-Charts auf Wochenbasis, etwa 3.5 Jahre, zeigt sie eine Performance von gut 1100%, also Ver11fachung des Aktienkurses.

Chart: Cisco Systems  (Klick zentriert)
Die Chartkurve läßt sich mit wenigen Trendlinien einigermaßen gut kanalisieren. Interessant ist, wie die innere (dünne) Trendlinie nach Monaten von einer Funktion als Unterstützung auf Widerstand und zurück auf Unterstützung wechselt (blau-rot-blau).

In den gesamten 3.5 Jahren war Cisco nur einmal wirklich kritisch. Während der globalen Börsenschwäche aufgrund der Rußland/Asienkrise bricht sie im Oktober weit durch die untere (blaue) Unterstützungslinie, wobei auch die langfristige gleitende 200-Tage Durchschnittslinie (GLD) erstmals seit längerer Zeit nachhaltig gebreakt wird.

Im gerade vergangenen Oktober wurden diese Grenzbereiche nicht mal erreicht. Auch vorher zeigt Cisco nicht die in diesem Aktiensektor typische Konsolidierungs- oder sogar Korrekturphase wie die bisher behandelten Internet-Werte - während des ganzen Jahres 1999 befand sich Cisco im Uptrend (diese Stetigkeit/Sicherheit muß man halt mit geringerer, aber immer noch sehr guter Performance bezahlen. BTW : es schadet nicht.)

Seit 3, 4 Wochen versucht die Aktie auszubrechen. Die (rote) obere Begrenzung des Trendkanals wurde mit Kursen über 85 überschritten. Cisco beginnt zu übertreiben.
Etwas deutlicher ist dies zum Beispiel mit einer Relative Stärke nach Wilder zu sehen :

Chart: Cisco Systems Relative Stärke nach Wilder  (Klick zentriert)
Der von Wilder entwickelte Relative Stärke-Indikator zeigt eine überkauft-Situation an, wenn Werte über 70% erreicht werden, überverkauft bei Werten unter 30%. In diesem Beispiel wird ein mittel- bis langfristig orientierter Berechnungszeitraum von 30 Tagen verwendet.

Auffällig ist, daß sich fast nie Werte unter dem neutralen 50%-Niveau entwickeln. Positiv. Und es spricht auch für Cisco, daß nur selten stark überkaufte Phasen (über 70%) vorkommen. Innerhalb der letzten 3.5 Jahre nur 4 mal, die aktuelle Übertreibung mitgezählt.

Bedenkt man, wie sehr die HiTech-Märkte im Moment verrückt spielen, kann Cisco noch weiter steigen. "Günstig" kauft man aktuell jedoch nicht mehr.

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US-Dollar

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www.taprofessional.de, Mo, 13.12.1999, ld.
Der amerikanische Dollar ist charttechnisch seit Jahren ausgesprochen interessant. Wer behauptet, daß sich der "Buck" technisch nicht prognostizieren läßt, hat sich m.E. noch nicht oder zu wenig mit Chartanalyse beschäftigt. Es ist vielmehr so, daß die Dollarkurve in der riesigen, gut 10 Jahre andauernden Bodenbildung sehr einfache, charttechnisch klassische Signale und Formationen lieferte.

Im vergangenen Jahr 1998 wurde die Kurve des Greenback von einer großen und bedeutenden symmetrical triangle-Struktur bestimmt, die mit dem Top aus Juli 1997 startete. Erst ein Jahr später ab August 1998 brachen die Kurse aus der zusammenlaufenden Formation nach unten aus und beschleunigen technisch klassisch in einer Thrust-Phase :

Chart: US-Dollar  (Klick zentriert)
Das große symmetrical triangle wird deshalb nochmals so genau beschrieben, weil triangles auch nach Beendigung eine starke Wirkung haben. Das mittige Niveau, auf dem sich die Notierungen während der Ausbildung eines Dreiecks mehr und mehr konzentrieren, besitzt häufig auch später die Funktion eines Widerstandes. In diesem Fall ist die die Marke 0.93 Euro oder in DM gerechnet ca. DM 1,81.

Seit Oktober bewegt sich der Dollar gegenüber der europäischen Einheitswährung wieder im primären Uptrend, der schon seit ca. 4.5 Jahren anhält. Erstmals im Juli diesen Jahres erreicht der Dollar nahezu die Parität zum Euro. Der Durchbruch war schon ganz nahe. Es benötigte jedoch erst eine kurze Korrektur, um Kraft für den Break zu sammeln.

Von Juli bis Oktober fällt der US-Dollar in einer Elliott-Wellen-typischen dreigliedrigen Bewegung bis auf das Spitzenniveau des symmetrical triangles zurück. Die erste denkbare Unterstützung. Die abc-Korrektur endet damit auch fast exakt auf dem Standardziel der Fibonnacci-Retracements : der Aufwärtstrend 10/98-07/99 wird um genau -38,41% korrigiert. Das theoretische Fibonacci-Ziel von -38,2% konnte vorher mit DM 1,802 berechnet werden. Real erreichte der Greenback DM 1,801 am 15.10.1999.
("Im Nachhinein ist sowas immer einfach festzustellen", könnte jemand einwerfen. Diese Zielzone für die Korrektur wurde vorher in der
TA professional Ausgabe Nr.7 vom 11.08.1999 prognostiziert.)


Mit dem Break der Parität zum Euro (1 Dollar=1 Euro) wird die amerikanische Währung ein weiteres langfristiges Kaufsignal generieren. Es ist schwierig, diesen Trend volkswirtschaftlich zu erklären. Aber das ist (zum Glück) auch nicht unser Job.
Charttechnisch ist es höchstwahrscheinlich, daß der Dollar nach vielen Jahren der Konsolidierung im nächsten Jahrtausend in Bereiche über Euro 1 bzw. DM 2,00 zurückkehrt.

Chart: US-Dollar  (Klick zentriert)

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Gruß und Erfolg, Lutz Düvel
12.12.1999
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